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 SPD/UWG-Gruppe sieht Handlungsbedarf beim Kinderschutz und fordert finanzielle Unterstützung

Es wird sehr viel über die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie diskutiert. „Das ist bestimmt wichtig“, so die Vorsitzende des Ausschusses für Kinder, Jugend und Familie im Kreistag, Jutta Olbricht. „Doch was ist mit den gesellschaftlichen Folgen? Beispielsweise die Frage, welche Hilfen die Kinder benötigen, die im Zuge des Lockdowns von Gewalt und sexuellen Übergriffen betroffen waren und immer noch sind?“ Um der Antwort ein Stück näher zu kommen lud die SPD/UWG-Gruppe den zuständigen Vorstand des Landkreises, Matthias Selle, den Fachdienstleiter Jugend, Rainer Dieckmann und die Leiterin des Osnabrücker Kinderschutz-Zentrums, Anell Havekost und ihre Stellvertreterin Esther de Vries zu einem Informationsgespräch ein. Hierbei wurden drei Dinge deutlich: 1. Man hänge bei den Fallzahlen hinterher, 2. In Corona-Zeiten sind die Hilfemaßnahmen ungleich schwierig umzusetzen und 3. Die Finanzierung des Kinderschutz-Zentrums bedarf dringend einer neuen Struktur.
Noch im Mai 2020 war eine erhöhte Fallzahl von Kindeswohlgefährdung im Rahmen der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Kontaktbeschränkungen nicht zu erkennen. Vielmehr ist es noch im April zu einer Halbierung der durchschnittlichen monatlichen Fallzahlen gekommen, sowohl bei den Verfahren zum Schutz bei Kindeswohlgefährdung als auch bei den Inobhutnahmen. So lautete die Antwort der Kreisverwaltung auf eine von der SPD/UWG-Gruppe gestellten Anfrage zu diesem Thema. Als Erklärung wurde die vorübergehende Schließung von Betreuungseinrichtungen und den eingeschränkten Kontakten von Fachkräften zu Kindern und Jugendlichen angeführt. Daher also der sich nun aufgestaute Bedarf, so Anell Havekost. „Diese Fallzahlen holen uns jetzt ein. Erschreckend ist dabei der außergewöhnlich hohe Anteil an Fällen von sexueller Gewalt.“
„In Corona-Zeiten reduziert sich zwangsläufig die persönliche Betreuung. Um aber den Kontakt aufrecht zu erhalten, greifen wir vermehrt aufs Telefon zurück oder auch auf Videochats. Das kann aber auch zu Verständigungsproblemen führen. Häufig ist die Körpersprache entscheidender als das gesprochene Wort,“ erläutert Havekost weiter.
Das größte Problem stellt derzeit die Finanzierung des Osnabrücker Kinderschutz-Zentrums dar. Der im Wesentlichen auf Spenden basierte Verein konnte aufgrund der vielen abgesagten Veranstaltungen dringend benötigte Gelder nicht akquirieren. Für Jutta Olbricht ist diese Finanzierungsstruktur grundsätzlich unbefriedigend und fordert für die Zukunft ein neues Modell. Daher beantragt die SPD/UWG-Gruppe schon jetzt zum Haushaltsjahr 2021, dass der Landkreis gemeinsam mit der Stadt Osnabrück ein Finanzierungsmodell entwickelt, um das Osnabrücker Kinderschutz-Zentrum nachhaltig zu unterstützen.

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